N e w s

 

Der Tag danach und davor....


Der Plan war, dass es sich bei dem gestrigen Eingriff um eine ambulante Operation handeln würde: Eierstockentnahme + Portimplantation. Wie gesagt, der Plan! Nachdem offensichtlich alles gut gegangen ist, hatte ich aber ein paar Schwierigkeiten mit dem Wachwerden und konnte (wollte) einfach nicht. Es hat ganze 3 Stunden gedauert bis ich einigermaßen zurecht kam :( Als ich wieder auf mein Zimmer gefahren wurde, bin ich dummerweise wieder eingeschlafen (das kommt davon, wenn man nachts einfach nicht mehr schläft). Da man ja auf der ambulanten Station nur bis 16 Uhr bleiben darf, und ich ja so unendlich viel geschlafen habe, musste ich mich nachher zügig anziehen und das Zimmer verlassen. Meine Mama, die sich in dieser Zeit als wahrer Engel erweist, hat mir natürlich wie immer geholfen. Ehrlich gesagt habe ich mir das alles auch ein wenig schlimmer vorgestellt. Allerdings hat mein Kreislauf mir, nachdem ich die ersten Schritte versucht habe, kurzerhand einen Strich durch die Rechnung gemacht. Schwindelig, Taub, Heiß- das volle Programm. Somit durfte ich dann doch direkt noch in der Klinik bleiben. Ein wahrer Lichtblick waren die Damen in meinem Zimmer. Die zwei Omis von gegenüber haben mich rührend zur Toilette begleitet, mir liebevoll mein Brot geschmiert, dass ich leider wieder nur halb essen konnte und sich sogar noch nachts, als ich ein einmaliges Gefühl von Kranker-Lymphknoten-gequetschte-Leber-fehlender-Eierstock hatte, um mich gekümmert. Lustigerweise habe ich auch noch auf der Säuglingsstation übernachtet, und um es besser zu machen versucht, mir vor Augen zu halten, dass die Schmerzen nur sind, damit auch ich irgendwann von Babygeschrei wachwerde, weil ich ein eigenes Baby habe. Hat aber nicht geklappt. Ich bin die ganze Zeit davon ausgegangen, dass die Schnitte in meinen Bauch so wehtun. Dort, wo ich den größten Schmerz habe, ist aber gar kein Schnitt, wie ich viel viel später erst bemerkt habe. Somit kann ich von dem wirklich seltenen Gefühl des Eierstocksschmerz sprechen. Wer kann das schon? Der Held des Tages (neben den 2 Heldinnen in meinem Zimmer) war mein Papa, den ich hier auch mal ganz dringend erwähnen sollte. Da es eine Änderung im Zeitplan der Operationen gab, hat er sich auch noch ganz spontan für meinen Eierstock freinehmen können und diesen pflichtbewusst nach Bonn in die Uni- Klinik gefahren. Die Eventualität auf sein Enkelkind. Quasi. Laut Arzt habe ich einen ganz tollen Eierstock: total groß und super gesund :) Na, wenigstens das!
Des Weiteren ist der Port ja nun implantiert. Nachdem offensichtlich mehrere Versuche gestartet wurden, ihn LINKS zu setzen, sitzt er nun RECHTS. Passend zu dem Eierstock, der ebenfalls auf der rechten Seite fehlt. Meine Hoffnung war, dass ich wenigstens noch auf der Seite liegen kann, die gesund ist, wenn sie alles auf der andern auf und raus und reinschneiden, aber da ich nun auch ich weiß nicht wie viele Stiche auf der linken Seite habe, wo sie die Vene nicht getroffen haben, kann ich mir auch das von der Backe putzen. Ich möchte, ohne theatralisch oder sonst irgendwie merkwürdig zu klingen, einmal betonen, wie wichtig und schön die banalsten Dinge der Welt sind. Für gewöhnlich freut man sich nicht, wenn es einem gelingt, ein ganzes halbes Brötchen zu essen oder man alleine auf Toilette gehen kann. Wenn man überhaupt alleine gehen kann. Man weiß nicht zu schätzen, wie toll es ist, wenn man müde ist und 2 Stunden am Stück schlafen kann. Man entwickelt in einer solchen Zeit ein ganz anderes Gefühl für alles mögliche und es fallen einem Dinge auf, für die man sonst kein Auge hat, keine Zeit oder einfach kein Interesse, weil alles viel zu NORMAL ist. Ich lerne jetzt schon, dass das Selbstverständliche NICHT selbstverständlich ist, man sich nicht über kleine Fettpölsterchen an den Seiten ärgern sollte, weil man sein Gewicht auch ganz schnell komplett verlieren kann. Ebenso wenig sollte man sich über Knoten in den Haaren nicht aufregen, denn auch die können ganz schnell weg sein. Außerdem sollte man sich generell nicht über irgendeine Scheiße beschweren, denn auch hier gibt es unendlich viele Steigerungen nach oben.
Morgen fängt die Chemo an.

 

Beautiful and Perfect....


Pictures taken by Brent Griffin : Gallery. Thank you soooooo much. I love your "art"! =)

 

 

Die letzten Tage...


bevor es losgeht. Ehrlich gesagt, kann ich es kaum erwarten, auch wenn ich mir noch kein Bild davon machen kann, was mich erwartet, außer dass ich weiß, dass es schrecklich werden wird und ich mich wahrscheinlich trotz Medikamenten gegen Übelkeit stundenlang übergeben werden muss. Aber das alles ist besser, als wochenlang jeden Tag einen Termin nach dem andern in einem anderen Ort, einer anderen Klinik oder bei einem anderen Arzt zu haben. Ich bin heilfroh, dass mich jetzt, nach über 20 Blutabnahmen, 5 EKGs, 2 Echos, Röntgen, 3 Computertomographien, 4 Ultraschalluntersuchungen, Spiegelung der Bronchien und Atemwege, Magenspiegelung und der Operation am Hals zur Entfernung eines Lymphknotens nur noch die Entfernung eines Eierstocks, der Einsatz eines Ports und die Knochenmarksbiopsie erwartet. Die Sache mit dem Eierstock zieht das ganze ein bisschen in die Länge. Allerdings möchte ich mir nicht die Möglichkeit nehmen lassen, irgendwann die Entscheidung treffen zu können, ob ich ein Kind bekommen möchte oder nicht. Aus diesem Grund lasse ich den Eingriff machen, nehme 3 weitere Narben in Kauf und verschiebe meine Chemo um weitere 1,5 Wochen. Ich weiß einfach, dass wenn die Funktion meiner Eierstöcke durch die Chemotherapie zerstört wird, ich mir ewig Vorwürfe machen werde, warum ich nicht einfach noch eine Woche mehr mit lächerlichen B Symptomen gelebt habe, anstatt dann ein Leben lang ohne Kinder. Es ist zwar nicht gesagt, dass ich irgendwann noch Kinder bekommen werden kann, aber man hofft, dass wenn der Eierstock wieder eingesetzt wird, irgendwann, er seine Funktion ganz einfach (für mich wie durch ein Wunder) wieder aufnimmt. Bislang gibt es in Deutschland sage und schreibe 1 Kind, das auf diese Weise zur Welt gekommen ist. Aber gut, es bekommen ja auch nur jährlich 2 -4 Personen von 100.000 ein Hodgkin Lymphom. Demnach bin ich schon eine Ausnahme, und wenn ich die Wahl gehabt hätte, hätte ich lieber im Lotto gewonnen. Zusätzlich werden, Hurra, die Wechseljahre durch Spritzen eingeleitet, damit der übrig geblieben Eierstock einfach schläft und seine Funktion einstellt, keine Zellteilung mehr stattfindet und er somit auch nicht angegriffen wird. So die Theorie, funktioniert in der Praxis leider nur nicht ganz zuverlässig. Jaaaa, schon faszinierend was es alles gibt. Der Termin für die OP steht für Mittwoch. Wenn dann alles gut geht, werde ich mich zum Wochenende von meinem geliebten Haar trennen, denn ich bin mir sicher, dass ich es nicht ertragen werde, in meinen eigenen, losen Haarbüscheln aufzuwachen. Und am Freitag dann, wird die Vorphase für die Chemotherapie eingeleitet und dann starten wir. Sehen wir es einfach als ein kleines Abenteuer, eine Erfahrung. Es wird schon seine Gründe haben, wieso die Dinge so sind, wie sie sind.
 

Im fortgeschrittenem Stadium...


ist mein Krebs schon. Phase 4, um genau zu sein. Wie lange ich ihn schon habe, weiß man aber nicht. Da mein kompletter Oberkörper voll von kranken Lymphknoten ist, wohl schon länger. Naja. Jetzt steht erstmal noch vor der Chemo an, dass ein paar Eizellen gewonnen werden, damit ich irgendwann ganz normal ein Baby bekommen kann, denn die Therapie, bzw die Thearapien, 4 - 6 an der Zahl, werden meine Fruchtbarkeit wahrscheinlich beeinträchtigen bzw. zerstören.
Nichts desto trotz gibt es auch noch schöne Sachen in meinem Leben, zum Beispiel den sogenannten Rennchester. Als etwas verspätetes Weihnachtsgeschenk könnte man sagen, gehört das Sackgesicht nun mir, mir ganz alleine
 


 

Ok. Im Moment ist sie immer noch bei ihrem Züchter und wann sie genau hier bleiben wird, weiß ich noch nicht, vor allem jetzt nicht, aber erstmal steht es fest. Damit wurde mein Wunsch nach einem kleinen, süßen, flauschigen und unheimlich knuddeligen Sheltie im Keime erstickt, aber da auch ich in spätestens 3 Wochen keine Haare mehr haben werde, passt Lane sowieso viel besser zu mir.
 


 

Diagnose: Morbus Hodgkin


Im Volksmund: Lymphdrüsenkrebs. Machen wir kein Geheimnis draus, so ist es nun mal. Warum ausgerechnet ich, warum mit 23 Jahren und warum überhaupt frage ich mich erst gar nicht. Sicherlich hätte ich eine tatsächliche Brustkorbprellung bevorzugt, oder ein paar gebrochene Rippen, aber so kann man es sich eben einfach nicht aussuchen. Ich freue mich über die Zeit, die ich zu Hause sein darf und mit meinen Eltern, meinen Freunden und meinen Hunden verbringen kann. Auch wenn ich mir den Start in dieses Jahres anders vorgestellt habe, steht nun eine Chemotherapie für die nächsten 6 Monate an. Ich danke allen Menschen, die mich im Krankenhaus besucht haben, mir Süßigkeiten, Blumen und andere Geschenke mitgebracht haben und mit mir die Zeit rumgeschlagen haben. Und alle die es bis jetzt noch nicht geschafft haben: es wird noch genug Gelegenheit geben, mich an diesem wundervollen Ort zu besuchen Jetzt heißt es erstmal den Kopf nicht in den Sand zu stecken, weitermachen, weitermachen, weitermachen, sich auf den Kampf vorbereiten und: weitermachen. Aber 90 % Heilungschance klingt doch schon mal motivierend und so, dass man nicht bemitleidet werden muss. Frohes neues Jahr euch allen.