22. Mai

22. Mai

Heute vor 2 Jahren schon, war der Tag, den ich nicht hätte sehnlicher herbei wünschen können:letztechemoWenn ich mich daran zurück erinner, wie die Zeit damals still zu stehen schien, frage ich mich allen ernstes, wo die letzten 2 Jahre hin sind? Es hat sich so extrem viel verändert, es gibt so viele Fortschritte in meinem Leben und teilweise fällt es immer noch schwer, alles zu realisieren. Ich habe mir die Mühe gemacht, das Jahr 2012 in diesen Blog hier zu übertragen, weil ich schon einige Anfragen hatte, ob man nochmal irgendwo nachlesen kann oder ob die Seite noch existiert. (https://p443630.webspaceconfig.de/wordpress-dogsinaction/morbus-hodgkin/) Ich saß jetzt fast 4 Tage daran, die Seite ist vollständig, aber es fehlt der Feinschliff. Leider muss ich irgendwann auch noch essen, duschen, Geld verdienen und eben andere überbewertete Dinge erledigen.
Ich selbst habe auch ein wenig gelesen in dem Blog und habe mich zum Teil auch darin verloren. Eine Sache hat mich aber im Nachhinein nachdenklich gestimmt: An einer Stelle steht, dass es Zeit wird, endgültig mit diesem Kapitel abzuschließen, und zwar für immer. Tja, das schien wohl eine Wunschvorstellung zu sein. 2 Jahre später weiß ich, dass Erinnerungen und Narben zwar verblassen, man aber nie 100% vergessen können wird. Dafür hat das Jahr und dieser Krebs zu viel Raum in meinem Leben eingenommen. Und rückblickend, möchte ich nicht sagen, dass ich dankbar bin für meinen Krebs, ganz und gar nicht, aber ich bin dankbar für diese Erfahrung. Definitiv. Mein Leben hat sich stark verändert. Ich habe mich verändert. Es gibt viele Dinge, die ich mir heute zutraue, die ich mir damals nicht hätte zugetraut. Meine Ernährung ist umgestellt, ich mache viel mehr Sport, mein Leben ist qualitativ so viel hochwertiger. Ich habe viel gelernt. Und, vielleicht erinnert sich der eine oder andere noch an meine TO- DO Liste:

– Im Juni auf der Hochzeit meines Cousins in Polen anwesend sein
– meine Oma und meinen Opa in den Arm nehmen und Danke sagen
– im August mit Brent nach Amerika fliegen
– seine Mama in den Arm nehmen, und danke sagen
– ein Foto von Wolken machen
– außerdem im August meinen 24. Geburtstag feiern
– hoffentlich bis dahin schon zumindest neue Wimpern haben
– Begleithundeprüfung mit Lane
– im September am Tiemann- Seminar mit Lane teilnehmen
– außerdem im September die Hochzeit von Claudia De Angelis fotografieren
– ab Oktober Training bei Tobias Wüst
– insgesamt Agility machen
– das erste Turnier
– mich über Joulean ärgern
– mein Auto bis oben hin mit Scheiße bepacken
– mein Zimmer bis oben hin mit Scheiße bepacken, wenn ich mein Auto auspacke
– mit offenem Fenster Autofahren
– auf einem Turnier einschlafen und Parcoursbegehung verpassen
– einschlafen
– bei Burger King sitzen und ein Crispy Chicken Menü mit Käse verputzen
– in ein öffentliches Schwimmbad gehen
– in Beckum am See schwimmen gehen
– vom Steg springen
– mit Kira vom Steg springen
– Fahrrad fahren
– Inliner fahren
– laufen gehen
– auf dem Boden rumsitzen
– in der Sonne sein
– meine Anziehsachen nassduschen, weils so warm ist
– barfuß sein
– auf einer Wiese mit Kira liegen
– nie mehr einen Mundschutz benutzen müssen
– mich im Fitnessstudio anmelden
– meine Muskeln wiederbekommen
– meine Knie kontrollieren
– meine Zähne nicht 8 mal am Tag zu putzen
– meine Haare zu bürsten
– meine Haare mit einem Haargummi zusammenzumachen
– zu sagen: “Kacke, ich habe ein Haar im Mund” und es nicht Jouleans ist
– mehr als 55 kg auf der Waage zu sehen
– Dinge mit Appetit essen
– Hunger haben
– grillen
– heimliche Emails während der Arbeit/ Schule schreiben
– eine kurze Hose anziehen
– eine kurze Hose anziehen und einen Pullover drüber
– ohne etwas auf meinem Kopf zu tragen rausgehen
– mich über schlecht aufgetragene und durch Regen ruinierte Wimperntusche ärgern
– durch Regen überhaupt gehen dürfen
– ein Schloss mit Brent in Köln aufhängen
– neue Halsbänder für meine Hunde bekommen
– das erste offizielle Fotoshooting
– zur Schule zu gehen
– Prüfungsangst haben
– mit einer Freundin über dumme Kerle lästern
– den vorläufig letzten Besuch bei meinem Onkologen
– den Tag, an dem ich das Krankenhaus vorläufig für immer verlasse
– den Tag, an dem ich nicht in den Spiegel gucke, und denke: Scheiße.
– den Tag, an dem ich kein Thermometer mehr benutzen muss
– den Tag, an dem meine Mama nicht mehr traurig ist
– die erste Nacht, die ich ohne Hilfe durchschlafe
– der erste Morgen, an dem ich ohne Schmerzen und Augenringe aufwache

Tja, das Tiemann- Seminar wurde abgesagt, weil sie Welpen hatten, ansonsten habe ich ALLES erledigt. Ja, ich war fleißig in den letzten 2 Jahren, da darf ich mich auch mal selbst für loben. Am 2.06. habe ich den Termin zur 8. Nachsorgeuntersuchung. Ich bin aufgeregt. Sollte alles in Ordnung sein, habe ich die kritischen 2 Jahre überstanden und offensichtlich ganz gut überlebt. Ich nerve wahrscheinlich schon mit meinem „ich bin dankbar für mein Leben- Gelaber“ aber ich bin so dankbar. Ich bin so unendlich dankbar. Dankbar dafür, dass haarlose Cortison- Gesichter, Augenringe und bleiche Magerkörper der Vergangenheit angehören und ich meistens mehr als 50% von dem Gewicht arbeiten kann, dass Brent gearbeitet hat. 20122014

3 thoughts on “22. Mai

  1. Deine Extra-Seite hatte ich die Tage bereits gefunden, da der Opa von einer Kollegin ebenfalls daran erkrannt ist und ich ihr schilderte, dass du darüber quasi Tagebuch geführt hattest.

    Ich finde es gut, dass du dies wieder veröffentlich hast. Es gehörte zu deinem Leben und hat dich um viele Jahre reifer gemacht und gestärkt.
    Der oben genannte Opi hat sich dies bereits durchgelesen und war sehr angetan von deinen Worten. Er lässt dir Grüße ausrichten und wünscht dir weiterhin nur das Beste.

    Ich kann nur immer wieder deine Stärke bewundern, in manchen Situationen hätte ich sie gerne auch…

    Bleib so taff wie du bist und vorallem bleibe dir stets treu!

    Ich wünsche dir weiterhin alles Gute und drücke die Daumen für die Nachsorgeuntersuchung, bin da aber ganz zuversichtlich.

    P.S. Waaaahnsinn wie deine Haare gewachsen sind!!

  2. Habe deinen Blog damals ja auch ganz intensiv verfolgt und mich jedes Mal gefreut, wenn es dir besser ging. Bleib so stark wie du bist und nicht vergessen CARPE DIEM. 🙂

  3. Bleib einfach so wie du bist! Wünsche dir alles Gute für die Zukunft und tu dir nicht so viel an ;).
    So kenne ich die Daria 🙂
    Viele Grüße

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