Manchester vs. Parson

Manchester vs. Parson

Polly ist nun seit fast 2 Monaten da, die meisten Leute die mich persönlich kennen, haben sie bereits kennengelernt und sie war in diesem Zeitraum mit mir schon auf 4 Turnieren. So wurde ich des Öfteren schon gefragt, welcher Terrier von beiden der „schwierigere“ ist. Manchester oder Parson. Ich denke, man kann sehr viele Dinge grundsätzlich sagen, dazu komme ich bei meinem Fazit, erstmal möchte ich eine Grundsätzlichkeit vorweg nehmen: Terrier sind NICHT schwieriger als andere Hunde! Ich spreche hier aus meiner eigenen Erfahrung als Hundehalter, Hundetrainer, unzähligen Gesprächen mit andern Hundehaltern, Hundesportlern, vor allem aber auch Züchtern. Pauschalisieren lässt sich sicherlich nicht alles, Extremfälle haben wir überall. Vorab:
Da ich den Vergleich zum Hütehund (Sheltie) nun auch relativ gut ziehen kann, ist es definitiv so, dass ein Terrier die eine oder andere, nennen wir es „Idee“, mehr mitbringt. Dadurch, dass er in der Regel auch ein härteres Wesen hat, versucht er sich sicherlich auch ausdauernder durchzusetzen, bei was auch immer und ist nicht so schnell zu beeindrucken. Man erreicht einen Terrier aber nicht schwieriger, finde ich, sondern anders. Ein Hund von Jouleans Auffassungsgabe verknüpft Dinge zum Beispiel viel schneller. Auch Dinge, die wir vielleicht gar nicht als so wichtig wahrnehmen, woraus im Extremfall auch Probleme entstehen können und und und. Darum soll es hier jetzt aber nicht gehen.
Vergleiche ich nun Polly mit Lane, gibt es unzählige Parallelen und einige wenige Unterschiede.

– Lane war anfänglich ein etwas zurückhaltender, fast schon schüchterner Welpe; der, erst einmal aufgetaut, dazu neigte, zu überdrehen und bloß nicht zu schlafen. Vor vielen Dingen hatte sie erst einmal Respekt, sie hat keine Angst vor Menschen, lässt sich von jedem anfassen, jedoch findet sie andere Menschen ziemlich überflüssig. Sie hat mich heute als absolute Bezugsperson, und das ist das einzige, was für sie zählt.
Polly hingegen ist, was ihr Wesen vom Grundsatz angeht, absolut offen und überschwänglich. Sie geht auf alles und jeden zu, und rastet dabei ein wenig aus. Bisher habe ich nichts entdeckt, vor dem sie Halt macht und auch sie könnte man als überdreht bezeichnen. Ich denke sogar überdrehter als Lane.
– Im Umgang mit andern Hunden sind beide gleich. Polly ist ja in allem ein wenig „mehr“, wobei Lane ja schon „viel“ ist, aber beide haben andern Hunden gegenüber ein sehr, sehr offenes Wesen. In der Welpenspielstunde hat Lane die Gruppe genauso aufgemischt, wie Polly es tut (Zitat von vor 2 Wochen: „Der kleine Terrier hier ist der Platzhirsch!“ – nachdem Polly einen Malinois zurecht gewiesen hat). Auf Spaziergängen unterbinde ich es, dass meine Hunde zu allem, was uns entgegen kommt, auf direktem Wege hinlaufen. Da sie anderweitig ausreichend soziale Kontakte haben, sollen sie sich an mir orientieren und bei mir bleiben. Man kann den Hund gegenüber oft nicht einschätzen und weil leider nicht alle Hundehalter mitdenken, ist es schon viel zu oft vor gekommen, dass entgegen kommende Hunde auf meine draufgestürzt sind oder sich, nachdem sie uns passiert haben und wieder abgeleint wurden, umgedreht und von hinten angegriffen haben. Das hat Lane ein wenig geprägt, weswegen sie heute vor allem vor großen Hunden Respekt hat und ich sie lieber im Kommando halte, wenn uns wer gegenüberkommt. Setze ich sie allerdings in ein völlig fremdes Rudel oder in ein Gehege voller Welpen, ist sie der sozialste Hund der Welt. Gleich nach Polly, denn Polly liebt wirklich jeden. Ihr fehlt der nötige Respekt großen und älteren Hunden gegenüber. Wird sie aber korrigiert, lässt sie sich korrigieren und das Ding ist durch für sie. Das ist das schöne. Sie hat ein völlig sauberes Wesen, eckt aber wie gesagt mit ihrer überschwänglichen, hyperaktiven Art gelegentlich an.
-Vielleicht auch weil ich sie die ersten 2 Jahre nur am Wochenende hatte, war es mir die ersten 1,5 Jahre mit Lane nicht möglich, sie ohne Schleppleine laufen zu lassen.
-Körperkontakt suchen beide, sowohl zu Mensch als auch zu Hund. Lane noch mehr als Polly, sie friert aber auch eher als Polly mit ihrem wenigen Fell, logisch. Die zwei liegen aber auch gerne mal zusammen, wobei der Kontakt momentan mehr von Polly zu Lane gesucht wird, was auch daran liegt, dass Polly permanent meint, Lanes Ohren und Hals und Lefzen anknabbern zu müssen, während Lane schon schläft.
Eine Schleppleine braucht Polly hingegen nicht. Ich arbeite mit ihr genauso, wie mit Lane, jedoch habe ich das Gefühl, dass sie etwas intensiver bindet. An dieser Stelle kann ich aber bereits sagen, dass Polly und Lane beide absolut unterschiedlich aufgewachsen sind und ich weiß, dass Polly eine sehr umfangreiche Prägung mit super vielen Reizen erlebt hat, was bei Lanes Züchterin aus gesundheitlichen Gründen in dem Rahmen nicht mehr möglich war.
– Der Jagdtrieb ist bei beiden vorhanden. Lane war als Junghund 2 mal wirklich komplett weg, auch über einen Zeitraum von über einer halben Stunde. Polly hat ebenalls gesteigertes Interesse, bisher ist sie mir aber noch nicht entwischt. Heute ist es mit Lane auch kein Problem mehr. Sie ist natürlich nach wie vor interessiert, lässt sich aber, auch wenn sie ihre „Beute“ schon gesichtet hat, sehr gut abrufen.
– Der Spieltrieb ist vom Grundsatz bei Polly stärker. Wie ein Baby mit einem Schnuller, läuft Polly am liebsten den ganzen Tag mit Beute rum. Sie lässt sich mit Spielzeug hervorragend motivieren und ablenken, ist aber bisher noch nicht besonders gewillt, sie wieder herzugeben. Lane wollte anfänglich draußen überhaupt nicht spielen. Wir haben uns Schritt für Schritt vorgearbeitet und heute hat sie nur noch Augen für ihren Ball oder was auch immer. Im Agility könnte ich sie beide ausschließlich über Spielzeug arbeiten.
– Beim Futtertrieb gibt es ebenfalls Parallelen und Unterschiede. Beide sind als Junghund meklige Esser. Lane wollte am Anfang ohne Witz nur Sand essen, Polly hat ihre Welpenfutter- Rationen nicht ein einziges Mal komplett aufgegessen. Normalerweise mache ich keinen Aufriss darum, wenn einer meiner Hunde das Essen stehen lässt, bzw. stehen lassen würde. Alleine der Gedanke daran ist völlig utopisch bei meinen Hunden, zumal ich sie ja meistens eh für ihr Futter arbeiten lasse. Bei einem Welpen ist es mir aber doch schon wichtig, dass er regelmäßig angebrachte Rationen eines Futters, das dem Alter enstspricht, zu sich nimmt. So habe ich gelegentlich etwas Fleisch oder Nassfutter drunter gemischt. Dieses wurde dann auch herausgepickt -.- Mittlerweile schlingt Lane (im Moment kriegt sie ja auch viel Fleisch, dass ich ihr einfach vor die Nase stelle) und Polly frisst einigermaßen. Sie bekommt nun auch schon Erwachsenen-Futter, Platinum zur Zeit, welches sie mag, aber nicht liebt. Futter scheint bei ihr keine sehr wichtige Rolle zu spielen. Sie lässt sich bei der Arbeit mit Futter auch eher ablenken, als mit Beute. Da hat sie ganz klar ihre Prioritäten. Lane möchte am Start beim Warmmachen zum Beispiel lieber über Futter arbeiten, und am Ende eines Laufs auch lieber Futter als Belohnung erhalten. Im Training funktioniert beides gleich gut, wobei ICH lieber über Beute arbeite.
– Beim Thema Sachen zerstören tun sich beide gar nichts. Passe ich nicht auf, ist etwas interessant, wird es zerstört. Bei Lane heute natürlich nicht mehr.
– Zur Ruhe kommen ist bei Lane heute gar kein Thema mehr. Erlebt man sie im Haus, erweckt sie eher den Eindruck, eine absolute Schlaftablette zu sein. Sie hat die nervöse Art, die Polly auch hat, fast gänzlich abgelegt und so hoffe ich, dass Polly es ihr nachmacht. Da sie aber die ersten Tendenzen zeigt, bin ich absolut überzeugt davon, dass das der Fall sein wird.
– Korrigiere ich einen von beiden Hunden, ist es definitiv Lane, die sich die Dinge eher und vor allem länger zu Herzen nimmt. Polly schnauft einmal, schüttelt sich und ist genauso fröhlich wie 2 Minuten zuvor unterwegs, auf der Suche nach einem neuen Abenteuer. Lane ist wesentlich eher zu beeindrucken, als Polly. Beide Hunde unterlassen das Verhalten dann aber in der Regel auf Anhieb.

Auf weitere Dinge wie Autofahren, Leinenführigkeit etc. möchte ich hier nicht eingehen, weil ich denke, dass das zu stark charakter-, prägungs- und erziehungsabhängig ist (inwieweit das der Fall ist, bei allem, was ich oben beschrieben habe, bleibt ebenfalls offen! Prägung und Verpaarung darf man niemals unterschätzen- jeder Hund bringt von sich aus schon unterschiedliche Eigenschaften mit!). Unterm Strich kann ich sagen, dass Lane der weichere Hund von beiden ist, der auch mal vorsichtig ist, schneller zu beeindrucken und zu Hause eher ruhig. Polly hingegen im Alter von 5 Monaten dazu zu vergleichen, ist sicherlich unterm Strich nicht aussagekräftig genug. Bisher hat sie aber wesentlich mehr Energie, Beute- und Spieltrieb und ist wirklich hart im Nehmen. Bezeichnet man einen von beiden Hunden als anstrengend (die Frage ist ja immer, wo die persönliche Schmerzgrenze liegt), ist Lane, sagen wir mal 70% von Polly. Allgemein. Und um nochmal auf Grundsätzlichkeiten zu kommen:
Bei meinen Exemplaren von Manchester und Parson ist der Parson der aktivere, offenere Hund. Beide Hunde arbeiten gerne, beide Hunde KANN MAN erziehen (Überraschung!), beide Hunde sind extrem anpassungsfähig. Beide Hunde sind freundlich, wobei Lane manchen Dingen eher neutral gegenübersteht, während Polly alle Herzen im Sturm erobert, niemals aber bösartig oder agressiv. Dazu könnte ich glatt einen weiteren Beitrag schreiben, denn die zweit-meistgestellte Frage ist: Sind die nicht giftig!? Nein. Sind sie nicht. Terrier sind toll. Ich empfehle den Manchester genauso sehr weiter, wie den Parson.
parsonmanchester

One thought on “Manchester vs. Parson

  1. Sehr schön geschrieben, Daria.

    Freue mich das es Dir gut geht und ich hier wieder mehr von Dir lese.

    Knuddel die Tiere von mir.

    Liebe Grüße….

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