3 Jahre

3 Jahre

Wenn ich die Bilder in dieser Zusammenstellung sehe, verkrampft sich mein Magen. Niemand, der es selbst erlebt hat, kann es sich vorstellen, kann es nachvollziehen oder gar verstehen. Der Verlust meiner alten Haare war mit das schlimmste Erlebnis in meinem Leben. Ein Gefühl, dass von so großem Schmerz ist, mit keiner Chemo, keiner OP und keinem sonstigen Eingriff zu vergleichen. Gekoppelt mit dem Wissen, dass es ewig dauern wird, bis man dort ist, wo man war, bis man dort ist, wo es erstmal wieder bergauf geht, bis man die große Zeitspanne in diesem nennen wir es „Zustand“ überstanden hat… Unerträglich. Obwohl es schon zeitlich so weit weg ist, holt es einen immer wieder ein. Insbesondere im Juli. In 13 Tagen ist wieder einmal die große Nachsorgeuntersuchung. Gespräch mit dem Onkologen, Klinikaufenthalt für den halben Tag mit Ultraschall, Röntgen, Echo, EKG, Lungenfunktionstest, Blutabnahme, ärztlicher Untersuchung und einem weiteren wundervollen Gespräch. Dieses Mal schon die „3- Jahre- danach“-Untersuchung. Ich frage mich nicht, wo die letzten 3 Jahre hin sind, denn ich weiß es. Sie sind in meiner Gesundheit, in meiner Genesung, in meinen Hunden, meiner neuen Beziehung und in meinem Haus. In allem sind sie investiert! Verhältnismäßig bin ich noch relativ entspannt, aber die Leber und der Magen „tun wieder weh“ (ich weiß, dass die Schmerzen nicht real sind). Im Juli haben auch meine Haare Geburtstag. In meinem Kalender von 2012 steht am 4. Juli, dass der Kopf langsam dunkler wird. Ich weiß noch, dass meine Mama damals versucht hat, meine Euphorie etwas zu zügeln, weil ich jeden Morgen viel zu früh wach war, um in den Spiegel zu schauen, um zu sehen, ob sich was tut. Seit dem ersten Tag nach der letzten Chemo. Jeden Tag. Manchmal sogar nachts. Eingeschlafen, eine Stunde später aufgewacht um ins Bad zu rennen und zu schauen, ob sie „über Nacht“ gewachsen sind. Sie sagte: „Ich weiß nicht, Daria.“ Ich sollte mir vielleicht nicht so sicher sein, denn sie war es: Es sind keine Haare. Aber in den nächsten 2-3 Tagen sollte sie eines besseren belehrt werden: Der Wachstum hat ein zweites Mal von 0 begonnen. Ich wusste es! Heute, 3 Jahre später, sind meine Haare wieder so lang, dass ich sie ständig im Mund habe beim Essen, ich sie ständig in der Autotür oder im Autofenster einklemme, ich überall hängen bleibe und nun immer und immer wieder daran erinnert werde, wie aufwendig lange Haare in der Pflege und vor allem im Bürsten sind. Und ich LIEBE es! Happy Birthday! Bleibt mir noch lange in voller Länge, voller Farbe und vollem Glanz erhalten. haare15

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