nicht ganz…

nicht ganz…

Die Wahrheit.  Das mit der Wahrheit ist ja so ne Sache. Nicht jeder hält viel davon,  manche lügen zum eigenen Schutz,  andere weils bequemer ist, als sich mit den richtigen Angaben auseinander zu setzen und wieder andere weil sie feige sind oder sonst was. Ich kenne auch sehr,  sehr gut die Kategorie Mensch,  die einfach nichts sagt,  um nicht lügen zu müssen und jemanden absichtlich in falscher Annahme von irgendwelchen Tatsachen lässt.  So jemand stand mir mal sehr nahe und war von heute auf morgen weit, weit weg. Seitdem habe ich viele Menschen aus meinem Leben verbannt und wähle neue Menschen mit einer übertriebenen Vorsicht,  die mich wirklich selbst nervt und oft an meine Grenzen treibt.  Und meine Gegenüber auch. Ich sage immer,  dass mir von 4 Menschen,  die mir vor 3 Jahren geholfen haben, zu überleben nur noch 1 geblieben ist.  Und dann ist es ausgerechnet sie,  die mich so anlügt. Und als wenn das nicht schon genug wäre,  wählt sie ausgerechnet Daniel als Komplizen.  Es ist nicht immer vorteilhaft,  wenn Mutter und Freund sich so gut verstehen.

Es war so: meine Mutter ist mit meiner Schwester schon öfter im Urlaub gewesen. Weil ich noch nie mit ihr irgendwo war und der einzige, wirklich erholsame ‚Urlaub‘ den ich je gemacht habe,  die Rehabilitation im August vor 3 Jahren war,  hat sie mir zum Geburtstag diese Woche einen Wellness in Kołobrzeg in Polen am Meer geschenkt.  Mit ihr zusammen,  damit wir auch was Zeit für uns haben,  weil ich immer sehr wenig Zeit für meine Mutter habe, die oft nur wissen will,  wie es mir geht.  Ich war jedoch längere Zeit davon überzeugt,  dass sie mich überraschen möchte,  also ich meine ’schlecht überraschen‘ möchte,  weil sie sich ein,  zweimal verplappert hat und ich immer darüber klage, dass Daniel so viel arbeitet.  Als wir noch ein paar Badeutensilien einkaufen waren,  fragte sie mich,  ob Daniel auch solche Sachen hätte- wir gehen schließlich auch ab und zu schwimmen.  Dann wollte sie seine Handynummer,  nur damit sie ihn persönlich fragen kann, ob er bei einer Nachbarin Laminat verlegen kann. Für mich waren das alles Indizien, dass nicht sie mit mir fährt sondern er.  Eine Zeitlang.  Am Samstag vor der Abfahrt hat Daniel sich schon mal um die Hunde gekümmert. Ich habe einen Koffer bei meiner Mutter abgeholt und gesehen,  dass sie mein Lieblingswasser gekauft hat,  welches schon im Flur stand.  Sie hat mich gefragt ob Daniel und ich noch Lust haben,  vor der Abfahrt gemeinsam zu frühstücken. Einverstanden.  Ich sollte mein Auto aufräumen und voll tanken. Am Abend zuvor hat Daniel noch eine Birne ausgewechselt und wollte den Ölstand prüfen.  Ich war der Meinung,  das könnten wir auch noch am nächsten Tag erledigen.  Einverstanden.  Ich habe noch gesagt,  dass mir die nächsten 2 Wochen schwerfallen werden,  weil wir so lange getrennt sind, und ich vor der Rückkehr etwas Bauchweh habe. Wer weiss, was in der Zwischenzeit passiert? Keine gute Erfahrung.  Okay,  wir gehen einen Deal ein: in der Woche,  in der ich mit meiner Mutter weg bin,  versucht er so viel vorzuarbeiten, dass er mitkommen kann nach Bensheim und in die Schweiz.  Ich freue mich total, und sage meiner Freundin in der Schweiz schon mal Bescheid.  Sie stellt bereits 2 Betten parat!  Am nächsten Morgen geht es dann zu meinen Eltern,  zum Frühstück. Die Reisetasche meiner Mutter ist gepackt,  es ragen ihre persönlichen Sachen hier und da noch heraus,  auch hat sie ein paar Handtücher bereit gestellt,  die Unterlagen liegen oben drauf. Alles klar… ich fahre mit meiner Mutter.  Sie ist startklar.  Wir frühstücken. Anschließend bringt Daniel die Sachen meiner Mutter ins Auto und ich weiss,  dass wir uns gleich verabschieden müssen.  Ich hasse Abschiede. Ich schicke Serena noch die Nummer von Daniel und gebe Daniel die von Serena. Er möchte die Hunde am Dienstag abholen.  Das schreibe ich ihr direkt auch so. Mein Auto ist gepackt und meine Mutter nervt sich schon etwas,  weil ich das Auto nicht ausgesaugt habe. Sie will mit dem Auto von meinem Vater fahren, aber ich bestehe darauf,  dass wir meins nehmen. Also geht’s los.  Daniel fährt links herum zu sich,  wir fahren rechts herum zu mir. Ich habe meine blöden Badelatschen für die Sauna noch vergessen.  Bei mir angekommen will ich zuerst die Adresse ins Navi eingeben,  damit der alte Knochen schon mal suchen kann. Meine Mutter findet sie nicht auf Anhieb und will mir aber auch die Unterlagen nicht geben. Sie besteht darauf,  es selbst einzugeben,  während ich die Latschen hole. Ich denke mir nur,  dass das sicherlich total gut geht mit ihren technischen Kenntnissen aber sage nichts,  weil wir schon oft genug streiten und ich so nicht den Urlaub starten will.  Ich gehe also rein und höre ein Auto vorfahren. Daniels Auto.  Ich kenne das Geräusch.  Und es war klar, ich wusste es. Er steigt aus und fragt mich wo mein Handy ist. Ja,  wenn ich das wüsste. Wie immer keine Ahnung.  Er hätte mich schon 2 mal angerufen. Wir haben vergessen, den Ölstand zu prüfen.  Klar,  typisch Daniel.  Ich wäre auch mit noch 50 km Reichweite nach Polen losgefahren,  aber bei Daniel muss alles perfekt sein.  Ich merke,  wie die 2. Enttäuschung wieder größer wird. Für einen kurzen Moment dachte ich dass jetzt die immer unwahrscheinlich werdende Überraschung kommt.  Meine Mutter beschwert sich noch einmal über mein nicht perfekt gesäubertes Auto und Daniel packt meine Sachen in sein Auto und sagt,  dass wir mit dem Audi fahren und er dann offenbar meinen nimmt.  Find ich kacke,  weil ich den nicht so gerne fahre und mein Auto gerade erst durch den TÜV ist und neue Bremsen und Scheibenwischer hat,  aber belasse es dabei und diskutiere nicht. Und dann platziert er mich auf den Beifahrersitz, meine Mutter auf die Rückbank und fährt los. ‚Wir fahren zu dritt.  Ich habe mich dazu gebucht.‘ Ich freue mich total! Wir fahren wieder zurück zu meinem Vater,  weil Daniel noch 2 Überweisungen für mich tätigen sollte und einige Shootings auf den Weg zu ihren Besitzer bringen sollte und er das nun nicht mehr machen kann. Wir gehen hoch,  erklären ihm alles,  verabschieden uns nochmal und gehen wieder runter.  Meine Mutter,  Daniel und ich.  Und dann öffnet sie die Tür zur Rückbank,  holt ihre Sachen wieder heraus und wünscht uns viel Spaß.  Ich bin sprachlos und zu Tränen gerührt.  Der Plan war so ausgetüfftelt, dass ich nicht mehr damit gerechnet habe… Danke Mama. IMG-20150825-WA0000

One thought on “nicht ganz…

  1. Mensch, bei den ersten Zeilen war mir echt komisch. Dachte schon sonst was. 😀 Ich wünsche dir und deinem liebsten eine schöne gemeinsame Zeit in Polen. Habt ganz viel Spaß.

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