Die kleine, süße Schweiz

Die kleine, süße Schweiz

Mit einer kleinen Portion Wehmut sitze ich nun wieder an meinem Arbeitsplatz, wähle die besten Bilder jedes Shootings aus, entwickel sie im RAW- Converter, warte ab, bis der Export fertig ist, damit ich ihnen dann, jedem einzelnen Bild für sich, nochmal in Photoshop den Feinschliff geben kann. In der Zwischenzeit warte ich auch darauf, dass meine Gemüsepfanne unten in der Kochnische warm wird, während die Hunde unten glücklich und zufrieden vor dem Gasofen schlummern, der auch Mitte April noch läuft. Ein beneidenswertes Leben, wie ich nun erfahren habe, weil viele es so empfinden. Ich persönlich bin ebenfalls dankbar für all das, was ich habe und die Möglichkeiten, die sich mir durch die Fotografie bieten. Ich hatte eine so tolle Woche in der Schweiz, dass ich seit Sonntagabend wirklich ein wenig zu kämpfen damit habe, hier zurück in Deutschland zu sein.
In der Schweiz habe ich mein eigenes Zimmer, ebenfalls mit dem Notwendigsten ausgestattet. Es steht dort eine Couch, die man zum Schlafen ausklappen kann, eine Hundebox, die ich nicht einmal genutzt habe, weil meine Hunde die ganze Woche mit mir auf der Couch geschlafen haben und es in keinem anderen Aspekt einen Grund gegeben hätte, sie in eine Box zu sperren. Außerdem gibt es einen großen Tisch mit 2 Stühlen und eine Sitzbank. Dort kann man dann den Laptop aufstellen, Bilder überspielen und sich anschauen. Für Bildbearbeitung habe ich in der Schweiz keine Nerven und auch keine Lust. Die Tage sind so voll, dass ich die wenige freie Zeit, die mir bleibt, lieber mit meinen Hunden verbringe. Außerdem vertraue ich Laptop- Darstellungen kein bisschen. Die ersten Jahre habe ich meinen Standrechner abgebaut und auch meine 2 Monitore mitgeschleppt, aber nun steht alles oben, die Treppe hier im Häuschen ist so steil und man muss sich beim Runtergehen festhalten, weswegen ich Tollpatsch den Rechner bestimmt nicht mehr rauf und runter tragen werde.
In das Zimmer gelangt man durch ein etwas kleineres Vorzimmer, das Hundezimmer. Dort befinden sich meistens die Hunde von Petra. Zur Zeit hat sie ebenfalls „nur“ 3 („nur“ in „“, weil es bei ihr glaube ich auch schon mal doppelt so viele fahren). 2 Border Terrier und ein Border Collie. Einer der Terrier ist dann in der Zeit meistens oben, weil Polly und „One“ sich nicht soooo gut riechen können. Ginger und Skip hingegen waren eine gern gesehene Abwechslung im alltäglichen Spiel meiner 3 Hunde untereinander. Ginger ist 2 Monate älter als Alanis und so hatte Alanis fast jemand gleichaltriges zum Spielen. Alanis war bereits das zweite Mal mit in der Schweiz. Dieses Mal war es wesentlich unkomplizierter. IMG_20170409_081350Ich war so stolz auf meine Hunde. Sie haben in der ganzen Woche nichts kaputt gemacht, haben nicht gebellt oder genervt und sich einfach mit der Situation wie sie war arrangiert. Polly habe ich die meiste Zeit wenn wir draußen sind noch an der Leine. Bislang ist keine Kralle nachgewachsen und somit liegt die Stelle noch offen. Sie ist weder wund noch blutig, feucht, entzündet oder sonst was, aber ich bin da lieber etwas vorsichtig. Wenn ich nicht da war, hat Petra sich um die Hunde gekümmert und sogar Lane soll wohl relativ kooperativ gewesen sein. Lane ist grundsätzlich ein extrem gehorsamer Hund, der mittlerweile abrufbar ist, bei Sicht von Kaninchen, Gänsen, Rehen und allem anderen, was den Jagdtrieb weckt, aber, und jetzt kommt das aber, einzig und allein und absolut ausschließlich bei mir. Sie nimmt leider nicht mal Daniel ernst. Für sie existiere nur ich. Ich und sonst niemand. Grundsätzlich ist das wirklich schön, Lane und ich haben eine Verbindung, die schwierig zu beschreiben ist, aber wenn sie mal mit jemand anderem unterwegs ist, ist es manchmal nicht einfach. Alanis war wie immer der totale Sonnenschein. Es macht mich so glücklich, zu sehen, wie gut ich meine allerersten Welpen doch hinbekommen habe. Petra hat sich sogar „beschwert“ darüber, dass sie den Rasen mähen wollte, und Alanis einfach überhaupt nicht aus dem Weg gegangen ist. Hier ist es ähnlich. Wenn ich nur die Tür zum Flur öffne um den Wäscheständer zu holen, kriegt Lane zb. die Krise. Sie versucht sich dann so schnell wie möglich zu retten, findet keinen Halt auf dem Laminat, rutscht dabei aus, schmeißt am besten noch den Wassernapf um, fällt rein, kratzt sich irgendwie auf die Couch hoch, schüttelt sich dann weil sie nass ist und stürzt dabei nochmal in die Tiefe auf den Teppich. So ein Tollpatsch. Alanis steht meistens im Weg. Ich habe ihr neulich angedroht, den Wäscheständer auf die drauf zu stellen, und obwohl ich sie mit dem Bein berührt habe, ist sie einfach nicht zu Seite gegangen. Sie ist sich ihrer selbst so sicher, und ebenfalls der Tatsache, dass alles und jeder auf dieser Welt nett sind. Immer. Vor allem zu ihr. Sie ist dabei wirklich nicht arrogant, ganz im Gegenteil, sie strahlt einfach diese absolute souveräne Sicherheit aus, die ihr sagt: mir passiert nichts. Das ist so schön. Polly wiederum liebt Kinder offenbar über alles. Egal welche von Petras 3 Töchtern mich unten besucht hat und sich auf die Couch gesetzt hat: Sie hatte Polly in Null Komma Nichts im Gesicht. Polly war extrem angetan. Und auch hier stelle ich einfach wieder fest: ich habe den besten übrig gebliebenen Parson dieser Welt erwischt. Sandra hat so mega gute Arbeit bei Pollys Prägung geleistet. Sie ist einfach nur ein mega cooler Hund. Wie viele Gedanken ich mir damals gemacht habe, was ist wenn Polly dies und jenes macht oder eben nicht macht. Polly ist einfach die beste.IMG_20170409_080941Fototechnisch kann ich mich absolut nicht beklagen. Ich hatte eine sehr, sehr volle Woche, die aber gleichzeitig so abwechslungsreich war, wie glaube ich noch nie.

Am Montag hatte ich einen Termin in Büren an der Aare mit 3 Malis. Ich hatte relativ offene Turnschuhe an, und weil mir die passenden Socken dazu gefehlt haben, habe ich sie weggelassen. Auf dem Weg zu unserem Fotoshooting- Ort war mir so warm im Auto mit meinem luftigen Strickpulli, dass ich kurzerhand überlegt habe, ihn auszuziehen. Keine halbe Stunde später stand ich kniehoch im Schnee 😀 Das hat man wirklich nur in der Schweiz. Die Malis waren mega imposant. Eigentlich hätte ich auch gerne einen. Und Bengalkatzen und 2-3 Esel. So plüschige.
Am Dienstag hatte ich morgens einen Termin mit 2 Mixen. Einer davon sah aus wie ein Teddy. Dieser Hund sollte extrem speziell sein und beide nicht so einfach zu fotografieren. Hat alles wunderbar geklappt!
Den Mittwoch habe ich sehr ausgiebig und lange in Deutschland in Hallwangen verbracht. Es war mein 4. Shooting mit Lisa und ihren Westies mittlerweile und wir haben sau viel gelacht. Die Fotografie ist wirklich etwas, das manchmal ganz schön verbindet. Lisa und ich überlegen, ob wir nicht mal gemeinsam mit den Hunden nach Schottland fahren. Abgesehen davon, dass die Crufts auf unserem Plan für nächstes Jahr steht!
Donnerstag hatte ich eigentlich „frei“, weswegen ich Petras Shootings weiter gemacht habe. Diese kann ich immer gut zwischendurch schieben. Donnerstagabend stand aber ein ganz spezielles an: Mein Heidi Shooting. Ich habe das Kleid in Hamm auf einem Kindermarkt gesehen, musste es haben, und mit der Zeit hat sich dann die Idee entwickelt, die wir glaube ich maximal gut umgesetzt haben. Ich wollte einen ländlichen Hintergrund, wo man definitiv sieht, dass man in den Bergen ist, in der Schweiz, auf jeden Fall NICHT in Deutschland. Ich wollte eine echte Ziege, ich wollte eine große Glocke. Ich wollte ein strahlendes Kind. Ich wollte einfach ein stimmiges Bild. Wenn ich das Bild (das noch nicht fertig bearbeitet ist) nun ansehe, denke ich, es ist perfekt. Es gibt nichts, was ich vermisse, was mich stört. Das Shooting war definitiv eins von diesen wenigen besonderen, die man niemals vergisst und wo man weiß, dieses Bild gehört zu deinen Top 10. Vielleicht für immer. IMG_20170406_215633
Am Freitag hatte ich 2 Termine. Morgens 2 Border Terrier und Nachmittags ein Pferd. Contessa. Contessa war das liebste Pferd, dem ich je begegnet bin, oder das liebste „Ross“, wie der Schweizer sagt 🙂 Das Shooting war ein klein wenig magisch, wie das junge Mädel mit ihrem schneeweißen Ross auf einmal durchs Wasser gallopierte und dann plötzlich im wunderschönen Gegenlicht stand! Bezaubernd.
Der Samstag sollte vor der Abreise am Sonntagvormittag nochmal mega voll werden. In „Buch“ standen 5 Shootings an. Das erste um 9.00, das zweite um 12.00 und ab da alle 90 Minuten die nächsten. Meine Speicherkarten waren am Ende des Tages ALLE voll ( 1x 32GB, 3 x 8GB, 1x 2GB, 2x 1GB). Ich bin den unterschiedlichsten Leuten begegnet. Einige mit ihrer Harley und ihren Pudelchen und Chihuahuas, andere mit ihrer Englischen Bulldogge, die FlipFlops übers Feld apportiert hat. Einfach völlig facetten- und abwechslungsreich. So schön!
Sonntagmorgen habe ich noch einen Termin auf 9.00 gelegt mit einer Familie mit Border Terrier und 2 Kleinkindern, und dann ging es bei bestem Wetter und meinem neuen Schutzengel „nach Hause“, wo auch immer das aktuell ist. Emotional habe ich mit dem Haus, in dem ich wohne (mal wieder) völlig abgeschlossen. Die Wohnsituation hier und mit den Nachbarn und allem drumherum ist an manchen Tagen unerträglich für mich. Bei Daniel ist es nett, aber ich bin eben auch nicht zuhause. Meine Zahnbürste steht dort, mein Kram aus der Dusche, ein Hundebett und in einer Schublade im Gefrierfach befindet sich Fleisch von meinen Hunden. Das wars. Es ist nicht besonders schön oder heimatlich aktuell. Demnach wäre ich am liebsten in der Schweiz geblieben, in meinem kleinen Zimmer, auf der ausklappbaren Couch. In der Schweiz scheint die Welt noch irgendwie in Ordnung zu sein. IMG_20170404_153147

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